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Ein paar Gedanken zum Sinn des Ganzen

Wer meine Bemerkungen zum Humor gelesen hat, der kommt vielleicht auf die Idee, ich wäre Nihilist, ich wäre der Meinung, das Leben sei völlig ohne Sinn.
Das Gegenteil ist der Fall. Ich bejahe das Leben und glaube an seinen Sinn. Tatsächlich ist es aber so, dass mit dem unweigerlichen Tod der unmittelbare Sinn des Lebens endet und das ganze Leben dadurch zu einem Witz wird (über den man übrigens nur lachen kann, wenn man über sich selber lachen kann). Nach dem eigenen Tod existiert der Sinn unseres Lebens nur noch in abstrakter Form, als Bestandteil des Lebens anderer.
Man kann die Sinnfrage auf vielen Ebenen stellen, sich z.B. fragen, ob es irgendeinen Sinn hat, jeden Tag zur Arbeit, zur Schule oder Uni oder wohin auch immer zu gehen. Eine komplette Abhandlung über den Sinn soll diese Seite erstmal nicht sein (wenn so was überhaupt möglich ist), mir geht es erstmal darum, nach dem Zynismus auf etwas über Humor jetzt ein wenig Optimismus zu verbreiten.
Die zynische Sicht ist die aus der Perspektive des irgendwo in der Zukunft liegenden Todes, stattdessen kann man es auch aus der Gegenwart versuchen. Wir alle Leben schließlich nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft, sondern in dem unfassbaren Augenblick, den wir "jetzt" nennen. Diese (begrenzte) Perspektive erscheint mir auch viel einfacher als die, die manche Religionen anbieten: die Ewigkeit. "Der Gedanke, dass man ewig lebt, ist viel schrecklicher als das Wissen, dass man stirbt. [] Die Christen verneinen den Tod, das ist philosophisch völlig falsch. Wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, an den Himmel, akzeptiert den Tod nicht." (zitiert nach einem Interview mit Harry Mulisch im Stern 52/2002).
Wo ich schon zitiere: die Nummer 2 meiner Top5Books enthält folgenden Dialog: Maggie:" I went to India to see how he (Scott) was doing because I believed that he was passionately involved in asking questions that I happen to think are important. [] I was wrong. He wasn't interested in asking questions, only in finding answers."
"What's the difference?" asked Baedecker. []
"The difference is that Scott took the line of least resistance," said Maggie, "Like most people, he found it too uncomfortable to be out in the open, unsheltered by some shadow of authority. So when the questions got too hard, he settled for easy answers."
Ohne Christen oder anderen gläubigen Menschen zu Nahe zu treten: genau das ist es, was sie tun: sie geben sich mit "easy answears" zufrieden. Das ist ihr gutes Recht. Ich persönlich finde aber, dass man es sich da zu leicht macht. Man kann es nicht irgendeiner höheren Autorität überlassen, unserem Leben einen Sinn zu geben, dass müssen wir schon selber tun. Dass wir es tun, dass wir es zumindest versuchen und uns damit auseinandersetzten, halte ich gewissermaßen für eine Pflicht, die uns auferlegt wurde, als wir geboren wurden. Mich kotzt die Haltung mancher Leute an, die bei philosophischen Fragen sofort abblocken und die einfach nur ihren Spaß wollen. Wohlgemerkt: wenn man nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommt, dass genau das (soviel Spaß wie Möglich zu haben) der Sinn des Lebens ist, dann ist das okay. Aber man sollte zumindest darüber nachdenken.
Es geht also nicht um Antworten, sondern darum sich die richtigen Fragen zu stellen. Wie passt dann eigentlich der schlaue Spruch in dieses Konzept? Irgendwo auf der Seite steht, dass es Situation gibt, in denen ich erahnen kann, was es heißt, ein Mensch zu sein. Im Grunde ist es so, dass wir dann emotional den Antworten auf unsere Fragen nahe kommen. Nur die Fragen sind nicht emotionaler Natur, sondern von unserer Ratio gestellt. Eigentlich ist dieses Dilemma schon wieder ein guter Witz: Rational kennen wir nur Fragen, und keine Antworten, emotional können wir nicht fragen, haben aber die Antworten.
Diesen, dem Menschen innewohnenden Dualismus aus Emotion und Ratio aufzulösen, ist ein Aspekt des Sinns unseres Lebens.
Grundsätzliche vertrete ich eine "Der Weg ist Ziel" - Philosophie. Der Sinn lauert in jedem Augenblick, ständig kann uns das Leben seine Wunder offenbaren, ohne dass wir sie je ganz zu fassen bekommen. Es ist auch Sinn des Lebens, den Sinn zu suchen. Dabei sollte auch eins klar sein: eine Betrachtung wie diese hier kann niemals endgültig sein, nach dem Motto "Das ist meine persönliche Philosophie und dabei bleibt es". Man muss seinen Standpunkt immer wieder überprüfen und gegebenenfalls neu definieren. Die Fähigkeit, Fehler einzusehen, zuzugeben und aus ihnen zu lernen ist Grundvoraussetzung auf der Suche nach dem Sinn des Lebens (und ist keine Stärke der meisten Religionen).
Es gibt da noch einen Spruch, der in meine persönliche Philosophie passt: "The best things in life are the simple things." Man muss aufpassen, dass man sich nicht vom Alltag einlullen lässt und bewusst durchs Leben gehen (auch wenn sich dass jetzt super-klischeemäßig anhört).
Eine im Moment ja furchtbar hippe Philosophie ist das Leben für den "perfekten Augenblick". Auch wenn ich es hasse, mich irgendwelchen Trends anzuschließen, kann ich diesem Gedanken doch etwas abgewinnen. Letztlich ist es dieser perfekte Moment, von dem der schlaue Spruch handelt. Allerdings sollte man aufpassen, dass man nicht krampfhaft versucht, einen perfekten Moment zu erleben. Vermutlich wird ein passionierter Surfer, der Unsummen für einen Hawaii-Trip ausgibt und dort dann die perfekte Welle sucht, es gar nicht merken, wenn er beim Kofferpacken den glücklichsten Moment seines Lebens erlebt. Vielleicht ist unser ach so schnöder Alltag gespickt mit perfekten Momenten, und wir merken es nur nicht. Sich für diese Momente zu sensibilisieren, sie bewusst zu erleben, dass ist es was ich meine, wenn ich sage, man sollte sich nicht vom Alltag einlullen lassen.
Wie gesagt kann und will dieser Text nicht vollständig sein, deshalb lasse ich es jetzt mal fürs erste Gutsein.


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